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Allein untern Millionen – „Ist Isolation toxisch?“

Kurt Paulus

Interdisziplinäre Perspektiven im Zusammenhang von [E]motionalen Bilder und visueller Emotionen im Kontext zum zunehmenden Einsamkeitsphänomen.

Experten sprechen von einer „Epidemie der Einsamkeit“: niemand, der da ist, niemand, der mit einem spricht. Viele haben keine Person, an die sie sich wenden können, sie fühlen sich von der Gesellschaft ausgeschlossen. Alleinsein kann uns auf Dauer krank machen.[1]

Der Mensch hat in der Urzeit nur als Gruppe überlebt! Die Gemeinschaft gab ihm Sicherheit und Schutz gegen wilde Tiere. Die Nahrungsbeschaffung durch die Jagd oder das Sammeln von z.B. Früchten war in der Steinzeit ein Überlebenskonzept.

Die Gruppe, Familie oder überhaupt der menschliche Kontakt war und ist ein tiefes Bedürfnis, das unsere evolutionäre Entwicklung erst überhaupt ermöglicht hat.

Der Verlust realer Beziehungen wird dadurch als Unsicherheit und Einsamkeit empfunden.

In Großbritannien wird Gesellschaft als Rezept verordnet: „Social Prescribing“, so der Begriff. Auf dem Inselstaat hat man erkannt: Vereinsamung hat Folgen für Gesundheit und Wirtschaft. 2018 wurde das weltweit erste „Einsamkeitsministerium“ eingerichtet.[2]

Jugendliche zum Beispiel, sind in so großer Zahl von Einsamkeit betroffen, führt Kinder- und Jugendpsychologin Elisabeth Raffauf [3]auf den wachsenden Druck zurück. Die Anforderungen an die jungen Menschen seien enorm. Es gebe 1000 Möglichkeiten, viele seien mit der Entscheidungsfindung überfordert. Zudem herrsche ständige Vergleichbarkeit. Über Social Media könne man sehen, was die anderen machten. Das erzeuge Unzufriedenheit mit sich und dem eigenen Leben.[4]

Karrieredrang und Konsum statt Sozialleben

Vereinsamung gilt mittlerweile als eines der größten sozialen Probleme westlicher Gesellschaften. In Umfragen erklärte jeder zehnte Deutsche, sich einsam zu fühlen. Das Gefühl der Einsamkeit trifft Menschen jeden Alters: vor allem Senioren, aber auch Jugendliche und Mittdreißiger, Menschen, die mitten im Berufsleben stehen.

Denn, wer beruflich vorankommen will, muss mobil sein. Um der Karriere willen an einen Ort ziehen, wo es bessere Ausbildungs- und Berufschancen gibt. Meist in den Großstädten, fernab der Heimat. Familie und Freunde in weiter Ferne, die Nachbarn kennt man kaum. Und der stressige Job lässt wenig Zeit, neue Kontakte aufzubauen. Einsamkeit ist ein Problem unserer modernen Zeit, dass durch Corona und daraus folgende Vereinzelung noch verstärkt wird.[5] Der Konsum, kann da keine Befriedigung bringen.

Soziale Medien befördern Vereinsamung

Mitursache für die zunehmende Vereinzelung sind laut Experten soziale Medien. Wir sind ständig online, die Zahl der Follower bestimmt, wie beliebt wir sind. Facebook und Instagram werden zum Ersatzleben. Doch Likes sind eine Illusion – was nutzen Hunderte virtuelle Freunde, wenn echte Beziehungen fehlen?[6]

Zusammenhang von Emotionen und Bildern

Emotionen sind in der deutschsprachigen Kommunikationswissenschaft mittlerweile als wesentlicher Forschungsgegenstand etabliert.[7] Fest steht, Emotionen können in Bildern einerseits dargestellt werden und andererseits durch Bilder ausgelöst werden. Die Implikationen für mediatisierte Kommunikation sind somit weitreichend.

Fest steht auch: Emotionen selbst sind als nonverbale Kommunikation, in Form von Gesichtsausdrücken (Ekman und Friesen 1969)[8], wesentlicher Bestandteil (all)täglicher Kommunikation. Ihr Ausdruck ist nicht nur in der Gesichtssprache, sondern ebenso in der Körperhaltung in kommunikativen Prozessen zwischen Individuen – in der direkten Interaktion ebenso wie in der medial-vermittelten (Massen-)Kommunikation – essenziell.[9] Emotionen werden in Bildern zum Ausdruck gebracht, durch Bilder vermittelt und sind so in der interpersonalen und medialen Kommunikation von grundsätzlicher Bedeutung. (Müller und Kappas 2011)[10] halten fest[11]:

„[E]motionale Bilder und visuelle Emotionen sollten als komplementäre Dimensionen zwischenmenschlicher, Gruppen- und Massenkommunikationsprozesse betrachtet werden.“ (Müller und Kappas 2011, S. 310)[12]

Bilder können Einsamkeit, Angst und Hilflosigkeit verstärken! Können sie auch das Gemeinschaftsgefühl und Glücklich Sein beeinflussen?

Detaillierte Definition über die Evolutionäre Emotionstheorien und die  Interaktion mit Bildern, finden Sie in der Fachpublikation „Bilder von Emotionen  – Emotionen durch Bilder. Eine interdisziplinäre Perspektive“ (2017)[13] von Frau Prof. Dr. phil. Habil. Karin Doeveling, Darmstadt University of Applied Sciences.

Bei diesen Emotionen haben fotografische Motive eine weit stärker Wirkung auf den Betrachter, je authentischer desto größer, gegenüber dem Musikhören, dem normalerweise intensivsten und internationalsten Gefühlsträger.

Ein gutes Bild weckt Interesse, erzeugt Spannung und sendet eine Botschaft. Es spricht mit uns und ruft Emotionen hervor – ganz unmittelbar. Bilder sind stark in der Kommunikation, mächtiger als das Wort, direkter als Musik und doch oft unterschätzt und vernachlässigt. Viel einfacher und angenehmer lassen sich Symbole und Bilder lesen und verstehen. Sie sind einfach zu erfassen und sprechen eine universelle Sprache, die wir nicht erst mühsam entziffern und übersetzen müssen. Wir sehen ein Bild, begreifen und spüren sogar körperlich und unmittelbar seine Aussage.[14]

Bildsprache ist ein starkes Werkzeug, um uns in eine bestimmte Stimmung zu versetzen. Bilder funktionieren unabhängig von der eigentlichen Werbebotschaft, denn sie vermitteln meist eine persönliche Note, eine persönliche Botschaft. Das funktioniert in jede Richtung. Egal, ob ein wichtiger Moment gezeigt, ein Produkt präsentiert oder jemand vorgestellt wird. Ein gutes Bild schafft es immer, die gewünschte Einstellung zu wecken. Besonders gut funktionieren Gesichter oder Tiere. Aber auch Momente, wie Bilder eines frisch gemähten Rasens, vom Sommerregen oder einer Schreinerei wecken Sinneseindrücke. Im Content Marketing ist das Ziel natürlich eine positiv und vertrauenserweckende Stimmung zu erreichen. Bilder schaffen dies unmittelbar, während wir einen Text erst lesen müssen, bevor wir ihm gegenüber eine bestimmte Haltung einnehmen können. Überzeugt uns das Bild, lesen wir auch die Botschaften (Zillmann et al. 2001)[15] und beschäftigen uns mit dem eigentlichen Produkt.[16]

Ausblick der Werbebildbotschaft für Konsumer

Der vorliegende Beitrag soll zeigen, dass Bilder Emotionen, in der direkten Interaktion der gesellschaftlichen Kommunikation, transportieren. Dabei galt es zudem, der gesellschaftlichen Tragweite medial präsentierter Bilder in ihrer emotionalen Wirkung zu hinterfragen. Die Analyse der visuellen Kommunikation und vor allem ihre emotionale Bedeutung in der Medienwirkung und der Einfluss von (Massen-)Medien auf gesellschaftliche Prozesse, muss in einer interdisziplinäres Auseinandersetzung, in allen Bereichen der Kommunikation im Kontext der Wahrnehmungspsychologie in der Entwicklung von Bildsprachen berücksichtigt werden.[17]

Menschliche Emotionen, sowohl in der psychologischen Ausstattung als auch in ihren Verhaltungsfolgen, sind die Ergebnisse evolutionärer Anpassungsprozesse. Die menschliche genetische Physiologie und das Gehirn haben sich alle in Anpassung an die Umwelt entwickelt.[18]

Es geht hier in der Tiefe, nicht um kurzfristige Tendenzen, sondern um grundlegende Veränderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der dazugehörigen Kommunikation. Auch die Bildsprache muss sich diesen gesellschaftlichen Verhaltensformen und den dadurch entstehenden Folgen anpassen, um Konsumenten / Kunde die visuelle Botschaft näher zu bringen.

Die Werbebildsprache muss, wie schon erwähnt, natürlich eine positiv und vertrauenserweckende Stimmung darstellen.

Starke Werkzeuge sind, Sinneseindrücke, authentische Lichtstimmung, aussagenunterstreichende Körpersprache und Gestik.

Um die Wirkung der Botschaft zu verstärken, müssen die vorher genannten Komponenten diffizil abgestimmt werden.

Fazit

Einen Einfluss auf das Achtungsverhalten des Betrachters, haben dargestellte Stimmungs- und Gefühlszustände. Visualisierte Stimmungs- und Gefühlszustände sind außerordentlich nützlich, um die Intensität einer Botschaft zu verstärken.[19]


[1] https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-allein-unter-millionen-100.html

[2] https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-allein-unter-millionen-100.html

[3] https://www.elisabethraffauf.de/#praxis

[4] https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-allein-unter-millionen-100.html

[5] https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-allein-unter-millionen-100.html

[6] https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-allein-unter-millionen-100.html

[7] Katrin Doeveling “Bilder von Emotionen – Emotionen durch Bilder. Eine interdisziplinäre Perspektive“ 2017

[8] Ekman, P., & Friesen, W. V. (1969). The repertoire of nonverbal behavior: Categories, origins, usage, and coding. Semiotica, 1, 49–98.

[9] Katrin Doeveling “Bilder von Emotionen – Emotionen durch Bilder. Eine interdisziplinäre Perspektive“ 2017

[10] Müller, M. G., & Kappas, A. (2011). Visual emotions – Emotional visuals: Emotions, pathos formulae, and their relevance for communication research. In K.    Doeveling, C. von Scheve & E. A. Konijn (Hrsg.), The Routledge handbook of emotions and mass media (S. 310–331). New York: Routledge.

[11] Katrin Doeveling “Bilder von Emotionen – Emotionen durch Bilder. Eine interdisziplinäre Perspektive“ 2017

[12] Müller, M. G., & Kappas, A. (2011). Visual emotions – Emotional visuals: Emotions, pathos formulae, and their relevance for communication research. In K. Doeveling, C. von Scheve & E. A. Konijn (Hrsg.), The Routledge handbook of emotions and mass media (S. 310–331). New York: Routledge.

[13] https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007/978-3-658-06738-0_5-1) „Bilder von Emotionen  – Emotionen durch Bilder. Eine interdisziplinäre  Perspektive“ (2017)

[14] https://www.omt.de/content-marketing/emotionen-wecken-durch-bildsprache/

[15] Zillmann, D., Knobloch, S., & Yu, H.-S. (2001). Effects of photographs on the selective reading of news reports. Media Psychology, 3(4), 301–324.

[16] https://www.omt.de/content-marketing/emotionen-wecken-durch-bildsprache/

[17] Angepasster Text Kurt Paulus / Katrin Doeveling “Bilder von Emotionen – Emotionen durch Bilder. Eine interdisziplinäre Perspektive“ 2017

[18] Schwab, F., & Schwender, C. (2011). The descent of emotions in media: Darwinian perspectives. In K. Doeveling, C. von Scheve & E. Konijn (Hrsg.), The Routledge handbook of emotions and mass media (S. 15–36). New York: Routledge.

[19] Derks, D., Bos, A. E. R., & von Grumbkow, J. (2008). Emoticons and online message interpretation. Social Science Computer Review, 26(3), 379–388.